Netze und Systeme

Mein Block

Sie haben recht
Ein Guru erklärt das Glück.

Es ist mal wieder Zeit, das Wissen um Funktionen von Social-Media-Plattformen zu mehren. Ich habe vor einigen Jahren bereits mal über das Thema Diskussionshygiene geschrieben, und auch jetzt geht es wieder darum. Damals ging es um die Verwendung von Filtern und den Entfolgen-Button, heute soll es um die Funktion des Blockens gehen. Mario Sixtus und Sascha Lobo kommen auch vor. Wenn auch leider nicht gegeneinander.

Im Gegensatz zum Filtern ist das Blocken eine einschneidendere Intervention. Es ist explizit als Schutz vor Kontakt durch andere gedacht: Wer jemanden geblockt hat, braucht die Beiträge des Geblockten nicht mehr sehen. Dies kann zum Selbstschutz ausgesprochen wichtig sein, hat aber auch diskussionshygienische Aspekte. Der Blockende wird sich nicht mehr dazu hinreißen lassen, triggernde Kommentare des Geblockten zu kommentieren. Damit ist dies ein auf zu Eskalation neigenden Plattformen wie Twitter oder Facebook von unschätzbarem Wert. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass es gesundheitsschützende Auswirkungen hat, denn nicht jeder findet zur weisen Gelassenheit angesichts von abzulehnenden Gedanken, wie sie der Guru aus dem Beitragsbild lebt.

Blocken ist Freiheit: Nervige, pöbelnde, hasserfüllte Stimmen aus der eigenen Wahrnehmung zu entfernen, gehört zu den wichtigsten Kulturtechniken in sozialen Netzwerken. Nur Ahnungslose halten Blocken für Zensur.

Sascha Lobo in „Lob des Blockens

Ein Block hat außerdem eine zweite Ebene: Wer geblockt wird, kann die Beiträge des Blockenden nicht mehr sehen und daher auch nicht mehr damit interagieren. 1 Das sorgt bei manchen für Aufregung, insb. wenn sie sich durch den Block ausgegrenzt oder gar angegriffen fühlen. Doch diese Gefühle gehen völlig fehl. Mit einem Block hat man sich abzufinden. Es steht ohnehin kein Rückkanal zur Verfügung, um ggf. ein Missverständnis oder einen Fehler auszuräumen. Das ist gerade der Sinn und Zweck des Blockierens.

Wenn jemand auf der Straße rumbrüllt und ich mir die Ohren zuhalte, höre ich den nicht mehr. Wenn ich die Rollläden runter lasse, kann er mich nicht mehr sehen. Das ist Block. Der Typ auf der Straße kann ununterdrückt weiter brüllen, wie er will.

Wer Blocken als aggressiven Akt missverstehen will, hat entscheidendes nicht verstanden. Ein Block ist immer ein Abwehrmechanismus. Was jeder selbst für nervig hält, ist eine höchst subjektive Sache. Weder hat man ein Anrecht darauf, dass man von jedem gelesen werden kann, noch jeden Inhalt lesen zu dürfen. Es gibt weder eine vertragliche noch eine rechtliche Grundlage, die dies begründen könnte. Wer blockt, entscheidet dies eigenverantwortlich und setzt damit das Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung um. Wer geblockt wird, muss sich damit arrangieren. Man wird auf Fragen keine Antwort bekommen.2 Kann man blöd finden. Aber es ist kein Skandal. Leider hat das Denken gewisser Leute, sie hätten einen Anspruch gegenüber Privatpersonen auf $WASAUCHIMMER, hat allerdings exorbitant zugenommen. Unberechtigt ist dies trotzdem.

Es ist manchmal schade, weil man von einer eigentlich wertvollen Informationsquelle abgeschnitten wird, aber i.d.R. ist man daran nicht ganz unschuldig, wenn nicht ein Missverständnis Ursache war. Und dennoch hat man das zu akzeptieren. Vor allem hat man keine Ansprüche anzumelden, wenn man geblockt wird. Es ist vor allem auch keine Zensur, wenn jemand blockt. Dies hat xkcd wunderbar als Comic mit dem Titel „Free Speech“ festgehalten. Und Anatol Stefanowitsch hat dies als „Meinungsfreiheit“ ins Deutsche übersetzt.

Die Steuerung der Zielgruppe ist „das radikale Recht ausschließlich des Empfängers“. Wer die Zielgruppe begrenzen will, kann das tun – grundrechtlich abgesichert. Manchmal tut das weh. Auch mir:

Vor einiger Zeit hat der geschätzte Mario Sixtus – wie ich Freund evidenzbasierter Medizin und damit Gegner von Hokuspokus wie Naturheilkunde oder Homöopathie ein Facepalm-Meme als Antwort auf eine Esoterikerin, die ihn mit einem haltlosem Argument gementiont hatte, offenbar falsch verstanden und mich darauf hin auf Twitter geblockt. Seitdem kann ich seine oft vortrefflichen Kommentare nicht mehr in diesem Medium sehen und sie v.a. nicht mehr retweeten, was ich zuvor oft und gern gemacht habe. Ich kann ihn auf Facebook weiterhin lesen, was dem Schmerz lindert. Es steht mir aber nicht zu, seine Entscheidung zu kritisieren. Es ist seine Sache, wenn er da einen Riegel vorschiebt.

Daher gibt es auch noch die Variante des Stummschaltens. Dies ist ähnlich, was das Lesen angeht, erlaubt aber dem Stummgeschalteten weiter, mit den eigenen Beiträgen zu interagieren. Das will man nicht immer, kann aber als erster Schritt eine große Entlastung darstellen.

Update:

Fußnoten:

  1. Das ist so pauschal übrigens nicht mal richtig, denn mit einem anderen Account oder ausgeloggt können die Beiträge unter Umständen weiter sichtbar sein.[]
  2. Das passiert ohnehin ständig, ganz ohne Block.[]

1 Kommentar zu “Mein Block

  1. Pingback: Irgendwas ohne Astroturfing – Die Sockenseite

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.