Sharepic der Piraten Leverkusen: #BildungAberUnsicher Leverkusen mottet die Luftfilter ein

Ich habe für Euch gekämpft, aber es fühlt sich an wie ein Kampf gegen Windmühlen.

2021 haben wir besseren Gesundheitsschutz für Leverkusener Kinder beantragt und mit der Vorlage 2021/0753 auch erreichen können. Nach einigen Verzögerungen durch die europaweite Ausschreibung und Lieferengpässe kam es nach mehreren Nachfragen zur Bereitstellung: In allen Grundschulen und den Klassen 5 und 6 der weiterführenden Schulen sowie den städtischen Kitas in Leverkusen wurden großformatige Luftreinigungsgeräte mit HEPA13-Filtern und angemessen hoher Luftumwälzung aufgestellt. In klinischen Studien konnte gezeigt werden, dass diese Geräte die Virusmenge in Schulklassen um 90% reduzieren und so die Krankheitstage der SuS um 30% senken1.

Yay.

Wer gedacht hatte, dass dies nur der Anfang ist und als wichtigste Lehre aus der Corona-Pandemie nun endlich breitflächig erkannt wird, dass der Schlüssel für eine gesunde Zukunft ALLER die Verbesserung der Lufthygiene ist, hat leider falsch gewettet. Seit dem Auslaufen der Schutzmaßnahmen nach §28b IfSG und dem von der WHO verkündeten Ende des durch die Pandemie verursachten weltweiten Gesundheitsnotstands tun alle so, als wäre die Pandemie vorbei und SARS-CoV-2 ein harmloses Keimchen. Das ist und bleibt zwar Blödsinn, aber es ist ein hartnäckiger und weit verbreiteter Blödsinn2.

Ein Elefant liegt rücklings auf einer Couch. Er hat die Aufschrift "Covid" und spricht zu einem Psychiater, der neben ihm auf einem Sessel sitzt und Notizen macht. Über dem Elefanten steht eine Sprechblase: "Sometimes, even if I stand in the middle of the room, no one acknowledges me."

Unser Antrag, die Luftfilter auch auf Räume über Klasse 6 sowie die Mensen auszuweiten, wurde Anfang 2023 abgelehnt. Und vor dem Jahreswechsel 2023/2024 kam eine Verwaltungsvorlage auf den Tisch, dass die Luftfilter eingelagert werden sollen. Mitten in der Erkältungssaison las sich das wie die beschissenste Idee, die man haben kann.

Grund war, dass das Dezernat die Schulleitungen zum zukünftigen Betrieb der Luftreiniger befragt hat. Die meisten hätten angegeben, die Luftfilter nicht mehr zu brauchen. Sie seien überwiegend auch gar nicht mehr in Betrieb. Daher prüfte die Stadtverwaltung, wie teuer die fällige Wartung der Geräte sei und was demgegenüber eine Einlagerung kosten würde.

In der Debatte im Schulausschuss am 22.1.2024 war das aber noch eine der am vernünftigsten klingenden Vorschläge. Immerhin sollen die Geräte in gefangenen Räumen, die schlecht oder gar nicht belüftet werden, auf jeden Fall weiter genutzt und im Fall einer erneuten Pandemie wieder reaktiviert werden.

Im Laufe der Debatte kam der Vorschlag, die Dinger entweder zu verschrotten oder günstig an Interessierte abzugeben. Ein anwesender Schlumpfnazi pöbelte rum, das sei ja alles nutzlose Geldverschwendung gewesen, und die Massen würde ja genau wegen solcher Politik auf die Straße gehen. Ähem, nein.3

Was ich dazu im Schulausschuss – neben dem Verlesen eines Schreibens von der SchülerInnenvertretung des Werner-Heisenberg-Gymnasiums4 – vorgetragen habe:

Der beste Ort für die Luftreiniger in Schulen und Kitas in Leverkusen ist die Schule und die Kita. Eingeschaltet reduzieren sie die Ansteckungen um 30%7. Wer Luftfilter nicht will, will also Ansteckungen. Wenn Stadtratsmitglieder im Schulausschuss nicht wissen, was Schattenfamilien sind, erklärt das so manches Abstimmungsergebnis.

Immerhin zeigte sich das Dezernat interessiert, als ich darauf hinwies, dass die Schülervertretung des Werner-Heisenberg-Gymnasiums gerne mehr statt weniger Luftfilter an der Schule hätte. Dem Schulausschuss Leverkusen war es aber nicht wichtig, dass zum Gesundheitsschutz in den Schulen neben dem Schulleitungen auch die SuS befragt werden. Diesen Änderungsantrag habe ich eingebracht. Offenbar glauben die, dass die von der VW befragten Schulleitungen für die Beantwortung der Anfrage eine Schulkonferenz einberufen hätten. Prust. Die Fragen, ob bei Schulfesten Alkohol ausgeschenkt werden darf oder ob man Karneval komplett die Schule zumachen darf, sind doch viel wichtiger.

Saubere Luft verbessert – schon vorpandemisch nachgewiesen – die Lernleistung von SuS. Und wer über die vielen Krankheitsausfälle 2023 berichtet, sollte den Elefanten im Raum benennen: Er heißt SARS-CoV-2 bzw. COVID-19. „Der hohe Krankenstand im vergangenen Jahr kostet die deutsche Wirtschaft zwischen 27 und 42 Milliarden Euro. Das geht aus einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) hervor“, schrieb die Zeit schon Anfang 2023. „Vor der Pandemie lag der Krankenstand stabil zwischen 4% und 4,5%. Jetzt bei 6,7%. Geht man davon aus, dass ein Großteil durch Atemwegserkrankungen verursacht wird und mit Corona ein weiterer Spieler im Feld ist, kann das durchaus logisch sein.“ Somit könnte saubere Luft ein wahrer Wirtschaftsmotor sein. Könnte. Aber wo schon die Wirtschaft einerlei ist, interessieren Kinder halt noch weniger.

Es bleibt dabei: Lufthygiene ist Key8. Wir trinken ja auch kein Wasser, in das jemand anderes schon reingespuckt oder reingepinkelt hat. Nach den Choleraepidemien im 19. Jahrhundert führte man Klärwerke ein, die die Exkremente aus dem Wasser herausfilterten. Eine wirkungsvolle Maßnahme zum Schutz gegen Polio9 war die Chlorierung von Badewasser in Schwimmbädern. Weil nicht gereinigtes, unbehandeltes Wasser ein effektives Infektionsmedium ist. Nur bei Atemluft ist der Gesellschaft das offenbar egal.

Fußnoten:

  1. und nebenher 70% der resultierenden familiären Fälle[]
  2. Das Virus tötet weiter. Und sorgt trotz der in der überwiegenden Zahl der Fälle „milden“ Verläufe für körperliche Schädigungen, die mittel- bis langfristig gravierende Einschränkungen zur Folge haben werden.[]
  3. Wie man angesichts von bundesweit Millionen gegen seinen menschenhassenden Haufen protestierenden Demokraten immer noch so lauthals seinem Wahn, der Mehrheitsgesellschaft anzugehören, nachgehen kann, ist mir ein Rätsel. Obwohl… nein, doch nicht. Ist halt wahrhafter Hass.[]
  4. „Sehr geehrte Stadträte,
    Alleine in der letzten Woche gab es in der Stufe Q2 11 Stunden Unterrichtsausfall durch Krankheiten. Es gibt jede Woche unzählige Unterrichtsausfälle, die Vertretungspläne sind stets voll. Vom Lehrermangel nicht zu sprechen. Wenn es nach uns ginge, dann sollte es mehr Luftfilteranlagen geben. Ich weiß an unserer Schule von drei Geräten, viel zu wenig, um Krankheiten effektiv einzudämmen. Und ihre Lösung ist, diese auch zu entfernen? Die Gesundheit der Kinder und Lehrkräfte sollte oberste Priorität haben.
    Deshalb vertritt die Schülervertretung des Werner-Heisenberg-Gymnasium die Position, dass die Luftfilteranlagen an der Schule bleiben sollten. Wenn andere Schulen sie nicht wollen, dann sind wir bereit, mehr ans Werner-Heisenberg-Gymnasium zu nehmen.
    Im Namen der Schülervertretung,
    Fabian B.
    Stellv. Schülersprecher des Werner-Heisenberg-Gymnasium“[]
  5. siehe oben[]
  6. Aber das wurde in Leverkusen während Corona ja gar nicht gemessen.[]
  7. und senken sogar im Vergleich zum Lüften den Energieverbrauch um 30%.[]
  8. Eine finnische Studie stellt klar fest: „Gebäudetechnik ist ein großer Teil der Lösung im Kampf gegen durch die Luft übertragene Infektionskrankheiten.“[]
  9. neben der Impfung. #Impfenschützt[]

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