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So sieht’s aus, werte Leistungsschutzgeldbefürworter.

So sieht's aus, werte Leistungsschutzgeldbefürworter.

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Gaststätten-Leistungsschutzrecht: Szenen aus der Zukunft

1
„Taxi!“
„Wohin soll’s gehen?“
„Tja, wenn ich das wüsste. Können Sie uns vielleicht ein gutes Restaurant empfehlen?“
„Einige. Kommt darauf an, wonach Ihnen ist. Italienisch? Chinesisch? Französisch…?“
„Kennen Sie was in Richtung, sagen wir, gutbürgerlich deutsche Küche?“
„Ja. Da gibt’s eines, das heißt Zum Käsenden Christoph – ulkiger Name. Aber das könnte ich Ihnen empfehlen. Besonders der Spießbraten wird oft gelobt. “
„Okay. Dann bringen Sie uns dorthin.“

2
„So, da wären wir. Macht dreizehn Euro fünfzig.“
„Hier sind fünfzehn. Stimmt so.“
„Danke sehr. Schönen Abend noch.“
Die Fahrgäste steigen aus. Ein Mann im Anzug nähert sich, klopft an die Scheibe. 
Der Taxifahrer kurbelt die Scheibe herab. „Ja, bitte?“
„Sie haben da gerade zwei Fahrgäste abgesetzt –“
„Ja“, sagt der Taxifahrer in der jähen Hoffnung, der Mann sei hier, um ihm womöglich eine Tipp-Provision anzubieten. „Die beiden sind am Bahnhof zugestiegen und haben mich nach einem guten Restaurant gefragt …“
„Aha. Und dann haben Sie ihnen unser Etablissement empfohlen.“
„Genau.“
„Haben vielleicht auf unseren berühmten Spießbraten hingewiesen.“
„Sicher.“
„Und sie hierher gefahren.“
„Richtig.“
„Das dürfte eine Fahrt von, na, dreizehn, vierzehn Euro gewesen sein, oder?“
„Stimmt.“
„Dann darf ich Sie jetzt um ein Euro achtzig Lizenzgebühr bitten.“
„Wie bitte? Wie käme ich dazu?“
„Nach dem Gaststätten-Leistungsschutzrecht stehen uns zehn Prozent des um die Mehrwertsteuer verminderten Fahrpreises zu.“
„Was für ein Ding?“
„Gaststätten-Leistungsschutzrecht. Ist seit einem Monat geltendes Recht.“
„Das ist ein Witz, oder? Sie sind von der ‚Versteckten Kamera‘, stimmt’s?“
„Schauen Sie, das ist doch ganz einfach: Wenn es uns – also: die Gaststätten – nicht gäbe, wir nicht viel Mühe darauf verwenden würden, hochwertige Speisen anzubieten und uns damit einen guten Ruf zu erarbeiten … wohin würden Sie Ihre Fahrgäste denn dann befördern?“
„Na ja … keine Ahnung …“
„Eben. Nirgendwohin. Dann hätten Sie diese Fahrt, die Ihnen gerade dreizehn oder vierzehn Euro eingebracht hat, nicht gehabt. Dass Sie sie gehabt haben, verdanken Sie nur der Tatsache, dass wir, die Gaststätten, allabendlich unsere Türen öffnen. Logisch, oder? Mit anderen Worten: Sie profitieren von unseren Leistungen, von unserer Existenz. Es war höchst überfällig, dass der Gesetzgeber auf diese Situation reagiert und für einen gerechten Ausgleich gesorgt hat.“ Der Mann streckt die Hand aus. „Wenn ich jetzt bitten dürfte? Eins achtzig.“

3
„Taxi!“
„Wohin soll’s gehen?“
„Tja, wenn ich das wüsste. Können Sie uns vielleicht ein gutes Restaurant empfehlen?“
„Nein.“
„Nein? In so einer großen Stadt muss es doch irgendwo gute Restaurants geben!“
„Nein. Tut mir leid. Ich kenne kein einziges.“

#lsr  

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  1. Der Vergleich ist ganz einfach falsch, tut mir leid: Die Suchmaschinen nehmen sich die Produkte von den Herstellern (Zeitungen etc.) und basteln eigene Seiten mit Verkürzten Inhalten daraus.
    Der Taxifahrer nimmt den halben Spießbraten im Restaurant weg, serviert ihn selbst unterwegs und kassiert Fahrgeld. Anschließend ist der Fahrgast satt. Die Leistung des Taxifahrers ist das Servieren eines Essens, das jemand anderes gekocht hat.

  2. Das ist zum Großteil leider Blödfug. Die Suchmaschinen stellen v.a. Texte, die die Verlage zu eben genau diesem Zweck in die Meta-Tags SEOt haben, dar, weil die Verlage sie mit ihren robots.txt explizit darum bitten, diese Inhalte auszulesen und als Suchergebnis anzuzeigen. Wenn die Zeitungen nicht wollen, dass die Texte dargestellt werden, würde ein schlichtes "noindex" reichen.

    Sie wollen aber beides: bei Google auffindbar bleiben (schließlich war der SEO-Aufwand teuer) und trotzdem abkassieren (schließlich ist ihnen ihr Geschäftsmodell unterm Arsch zusammen gefallen). Eine zielführendere Überlegung wäre, sich Gedanken über die zukünftige Finanzierung von Journalismus zu machen, der in Zeiten der allgemeinen Verfügbarkeit von Informationen nicht mehr über klassische Zeitungsfinanzierungsmodelle wie Abonnements ausreichend (oder überhaupt) refinanzierbar ist. Die Verlage schließen aber davor die Augen und verpassen dadurch (ähnlich wie die Musikindustrie) eine Chance. Sie stecken ihre Energie in ein völlig verfehltes Mittel.

  3. Diese Argumente sind weniger als schwach.
    Die Suchergebnisse anzuzeigen ist natürlich ok, das ist die Aufgabe von Suchmaschinen und davon leben sie auch, denn ohne die Inhalte gäbe es gar keine Suchmaschine und niemand würde sie brauchen.
    Die Inhalte zu stehlen geht gar nicht. Falls Sie einmal für eine kreative Leistung Geld bekommen sollten, Herr Ding, dann stört es sie sicher auch, wenn man sie einfach stiehlt. Genau wie man Waren nicht stiehlt. Ich weiß ja nicht, wie Sie ihren Lebensunterhalt bestreiten.

  4. Was für eine krumme Vorstellung von Stehlen ist denn das,  bitte? Wir stellen Inhalte hin und hängen ein Schild davor, das sagt, liebe Suchmaschine, nimmt dies und stelle sie dar. Und wenn die Suchmaschine das tut, ist das Stehlen? Quark.

  5. Außerdem liegt hier die übliche selbstentlarvende Sprachverdrehung bei digitalen Zusammenhängen vor: Bei einem Diebstahl wird etwas widerrechtlich vom seinem Ursprungsort entfernt, bei Kopien ist es dort weiterhin zu finden.

  6. Nochmal ganz einfach:
    1. Ich mache etwa ein Foto oder einen text, dafür bin ich früh aufgestanden und teuer Auto gefahren.
    2. Ich entscheide, wie teuer der Druck / die online-Veröffentlichung ist, oder ob es unveröffentlicht bleibt.
    3. Ich sage etwa: Das Bild darf nur in den Stadt-Anzeiger, nein, die Bildzeitung und die Gala bekommens aber nicht.
    4. Wer's druckt oder ins netz stellt ohne zu fragen: Doppelter Preis, weil Inhalt geklaut plus Anwaltskosten.
    Das gilt eigentlich auch, wenn es die Suchmaschine nur klein anzeigt.
    Und davon lebt die Suchmaschine:
    5. Die Suchmaschine: Sie lebt davon, dass viele Leute interessiert nach Inhalten suchen. Auch nach meinen. Sie zeigt rechts auf der Seite gekaufte Links. Und die ersten Suchergebnisse sind auch gekauft. Die haben nichts mit den Suchergebnissen zu tun, nach denen die Leute eigentlich suchen. Die Leute suchen ja nicht nach der Werbung. Deshalb lebt der Maschinenbetreiber auch von meiner Arbeit.
    Ich sagte ja: Falls Sie Inhalte herstellen würden, die die Leute lesen wollen, dann würden auch Sie uns verstehen.
    Google hat ein Problem: Die Leute bleiben zu kurz auf der Seite. Deshalb hätten sie dort gerne mehr lesenswerte Inhalte, am liebsten ohne dafür zu bezahlen.

  7. Nochmals: Wenn derjenige, der die Inhalte ins Netz stellt, Google mittels robots.txt verbietet, die Inhalte indizieren zu lassen, speichert sie Google nicht und kann sie demzufolge nicht anzeigen – weder groß noch klein. Wenn der Verlag die Bilder aber ohne diese entsprechende Auszeichnung ins Netz stellt, ist der Verlag auch dafür verantwortlich, wenn Google seinen Job macht und die freigegebenen Inhalte indiziert und bei entsprechenden Suchanfragen mit Link auf die Fundstelle darstellt. Der Urheber ist so oder so vom Verlag gearscht: Der Verlag kennzeichnet die Inhalte so, dass Suchmaschinen die Inhalte indizieren, obwohl der Urheber dies nicht wünscht, und vom Leistungsschutzgeld hat er erst recht nix.

  8. Insb. wenn ein Verlag Bilder ohne "noindex" ins Netz stellt, die ein Urheber nur für den Verlag lizenziert hat, ist es der Verlag, der lizenzwidrig handelt, weil er anderen den Zugriff ermöglicht.

    Ich verstehe daher in der Tat nicht, warum sich Urheber von Verlagen, die herumjammern, dass Google sich Texte und Bilder, von denen sie angeblich nicht wollen, dass Google sie darstellt, an denen aber für die Suchmaschine deutlich sichtbar "Indiziere mich!!!1" steht, mitnimmt und darstellt, obwohl sie die Texte und Bilder auch mit Suchmaschinenverbot ausstatten könnten, damit die Texte und Bilder nicht mitgenommen und dargestellt werden, und dann auch noch Kohle dafür wollen, dass Google ihnen durch die mitgenommenen und dargestellten Bilder Besucher in Massen auf die Seite spült (wie der Taxifahrer eben), für ihr absurdes Spiel einspannen lassen.

  9. Sie wollen es eben nicht verstehen, was Geld verdienen mit Bildern, texten, Musik bedeutet. Trotzdem: Danke für die Diskussion.

  10. Das verstehen Sie nicht, weil Sie keiner sind, der Inhalte erzeugt.
    In diesem Geschäft lebt Google von den Inhalten, (siehe oben) die Recherchierende oder Kreative erzeugen. Und nun muss Google eben bezahlen, genau wie ein Kiosk, der Zeitungen gegen Geld kauft und mit ganz ordentlich Gewinn wieder verkauft. All das finden eben auch die Gesetzgeber gerecht.

  11. Natürlich erzeuge auch ich Inhalte. Ich bin regelmäßiger Schreiber für das Online-Magazin Plattentests.de. Und wenn ein Verlag will, dass Google bezahlen soll, wenn es Inhalte aus dem Netz abgreift, kann der Inhalteanbieter Google durch einen Eintrag in eine Datei, die auf dem Server liegt, effektiv verbieten, die Daten mitzunehmen. Die Beschränkung der robots.txt verhindert nicht, dass normale Benutzer den Inhalt sehen, sondern verhindert, dass die Suchrobots der Suchmaschinen die Inhalte in den Index aufnehmen. Damit kann Google sie auch nicht als Suchergebnis präsentieren. Das ist ein simpler technischer Schritt, den Google ohne jede Widerrede befolgen wird. Millionen von Webseitenbetreibern bekommen es hin, ihre Webseiten entsprechend einzustellen, dass z.B. Medieninhalte nicht indiziert werden, so dass Google sie auch nicht anzeigt.

    Wenn der Inhalteanbieter aber trotz zahlreicher, sicherlich teuer bezahlter SEO-Maßnahmen zu faul oder zu dämlich ist, die Datei robots.txt auf seinem Server zu plazieren, kann er nicht erwarten, dass Google plötzlich zum Samariter wird und für die Inhalte bezahlt, die kostenfrei und ohne technische Beschränkung abgelegt werden. Wer will, dass Google die Inhalte, die es anzeigen soll, einkaufen müsste, muss eben mittels der oben beschrieben, simplen technischen Maßnahme dafür sorgen, dass Googles Roboter die Inhalte nicht mehr indiziert. Ich wage aber hefitg zu bezweifeln, dass Google ein Interesse an den Inhalten hat, dass es dazu bringen würde, diese einzukaufen, weil es neben den journalistischen Inhalten eben Abertausende andere gibt, die kostenfrei ins Netz gestellt werden und eine freie Alternative darstellen. Ist in Belgien so passiert: Ein Anbieter wollte Google zu Zahlungen verpflichten, woraufhin Google ihn auslistete, und schon einen Tag später kamen sie angekrochen, weil der Datenverkehr völlig eingebrochen war. Die Verlage brauchen Google, nicht umgekehrt. Sie begreifen es nur noch nicht.

    Auf der anderen Seite steht der Punkt, wie in Zukunft hochwertige journalistische Arbeit refinanziert werden kann. Im Zuge der fortschreitenden Sparmaßnahmen der Verlage, die zu flächendeckendem Abbau von Redaktionen sowie hirnfreiem Blindübernehmen und Minimalbearbeiten von Agenturmeldungen bzw. PR-Texten führt, macht sich die Verlagslobby aber ihre eigene Argumentation zunehmend kaputt. Meine Meinung ist, dass es eine gesellschaftliche Aufgabe ist, wirklich hochwertigen Journalismus gegenzufinanziern, aber dies sollte aufgrund eines gesellschaftlichen Konsenses erfolgen und nicht über ein sowohl technisch als auch logisch völlig hirntotes Mittel wie der Leistungsschutzgelderpressung.

    BTW: Was der Gesetzgeber, der leider meist ohne jeglichen technischen Sachverstand daherkommt, unter heftigem Lobbydruck (siehe das Kompromat, mit dem der Springer-Verlag den letzten Bundespräsidenten weggeschrieben hat) beschließt, ist mir übrigens einigermaßen Latte. Schwarzgelb handelt ohnehin meist gegen jeden Verstand; von daher kann ich "den Gesetzgeber" in diesem Fall nicht annähernd ernst nehmen.

  12. Sie haben ein verdrehtes Weltbild.
    Ich fands gut, dass Wulff nicht weitermachen durfte. Schließlich hat wegen der Recherche ein Gericht gegen ihn ermittelt.
    Nochmal: Vielen dank für die Diskussion.

  13. Schade, dass sie – jetzt, wo's spannend werden könnte – aussteigen wollen. Ich würde nämlich schon gern wissen, wo mein Weltbild verdreht sein soll. Ob ich die Antwort darauf wohl noch bekomme?

    Ich fand übrigens auch gut, dass Wulff die Biege machte, weil er eine unfähige Luftpumpe war. Man darf aber als Mensch, der den Medien zuarbeitet oder sie intensiv nutzt, nicht unterschätzen, wie diese Affäre ablief. Der Springer-Verlag hat Informationen scheibchenweise geleakt, um die Situation, in der Wulff seine Unfähigkeit zur Selbtreflektion stetig verdeutlichte, immer weiter zu eskalieren. Damit hat Springer gezeigt, dass sie nahezu jedem, der ihnen zu nahe steht, ausknipsen könnten, wenn sie nur wollten. Man muss sich nur mal die Wirkung, die das auf das ständig mit Bild und Welt kungelnde Schwarzgelb haben muss, vorstellen.

    Außerdem hat der geschätzte Sascha Lobo noch auf weitere pikante Details hingewiesen (vgl. http://saschalobo.com/2012/08/31/funf-entscheidende-fragen-zum-leistungsschutzrecht/) und die unselige Verquickung von Regierung und Springer beleuchtet, um auf unangenehme Zusammenhänge hinzuweisen. Es ist überraschend – oder eigentlich eher bezeichnend -, dass die vermeintlich seriösen Medien diese Umstände, von denen mancher durchaus Auflage steigernd wirken könnte, so ignorieren. Sie könnten ja den aufgebauten Druck unterminieren, der das wegbrechende Geschäftsmodell retten soll.

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