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Gerüchte vom Vögeln und allerlei Heuchlern

Michalis Pantelouris schreibt auf Carta (siehe auch <http://carta.info/48171/endlich-reden-wir-mal-uber-sex-fickt-euch/>) sehr wahre Dinge über den vermeintlichen Skandal um Bettina Wulff. Dass der Skandal aber nicht in ihrem Verhalten, sondern im Verhalten der Medien und vor allem in den heuchlerischen Wertvorstellungen mancher Meinungsführer unserer angeblich so aufgeklärten Gesellschaft liegt, ist zu wichtig, um einfach nur ein +1 darunter zu setzen. Schauen wir doch mal in die Ausführungen hinein:

"Um eins vorweg zu nehmen: Ich werde im Folgenden beschreiben, dass ich die Vorwürfe gegen Bettina Wulff schon deshalb für eklig halte, weil sie implizieren, eine “Rotlichtvergangenheit” würde sie als First Lady disqualifizieren. Dabei ist mir vollkommen bewusst, dass Bettina Wulff keine solche Vergangenheit hat, und die ganze Diskussion nur auf niederträchtigen Gerüchten basiert. Ich möchte nicht implizieren, ich hielte es für möglich, dass sie eine solche Vergangenheit hat. Ich bin völlig davon überzeugt, dass sie sie nicht hat. Mein Punkt ist, dass ich glaube, es könnte durchaus eine First Lady geben, die ähnlich gut geeignet für diese Funktion ist wie Bettina Wulff (vor deren Haltung in der Krise rund um den Rücktritt ihres Mannes ich einen unendlichen Respekt habe) und die eine Vergangenheit als Wasauchimmer hat."

Das ist richtig und wichtig. Warum sollte es die Eignung irgendeiner Person beeinträchtigen, dass sie ein Sexualleben hat? Warum streuen irgendwelche verklemmten Luftpumpen Gerüchte über eine angeblich verwerfliche Vergangenheit, wenn das, was diese Vergangenheit angeblich verwerflich ist, ein völlig normaler und etablierter Teil dieser Gesellschaft ist? Das Problem liegt hier doch ausschließlich bei denen, die sich ein Problem mit Sexualität als solcher angeschafft haben und sich nicht allein dazu in der Lage fühlen, dies zu lösen. Man möchte ihnen zurufen: "Fickt Euch (oder wenigstens jemanden, der das gerne möchte)!"

"Aber zum Punkt: Es gibt offenbar kein valides Datenmaterial zur Prostitution in Deutschland, erst recht nicht zu den Freiern. Die Daten bei Umfragen variieren derart, dass sie völlig sinnlos sind. Aber ich wohne wenige Minuten von der Reeperbahn entfernt. Ich persönlich halte die Umfragen, die sagen, etwa die Hälfte aller Männer in Deutschland hat schon für Sex bezahlt für nicht weit hergeholt. Rein von den Zahlen her muss man sagen, Prostitution ist in dieser unserer Gesellschaft fest verankert. Ich weiß, dass Sexarbeit mit besonderen, vor allem psychischen Belastungen einhergeht, ich meine es absolut nicht respektlos, wenn ich sage: Es ist ein ganz normales Gewerbe."

Eben: Das älteste Gewerbe ist eine ganz normale Dienstleistung. Ich erspare mir dabei übrigens weitschweifige Überlegungen dazu, ob immer offenbarer werdende Lücken unserer sozialen Sicherung dazu beitragen, dass sich Frauen gezwungen fühlen könnten, sich mit dieser Dienstleistung ihrer Existenzgrundlage zu schaffen.

"Aber das ist es. Prostituierte zahlen Steuern und erfüllen offensichtlich eine gesellschaftliche Funktion. Und wenn es eine Ehe zwischen einer Hure und einem Spitzenpolitiker gibt, dann würde ich jederzeit darauf wetten, dass die Hure im ehrlicheren Gewerbe beheimatet ist. Wenn es eine Vergangenheit gibt, die einen Menschen als Bundespräsidenten (oder dessen bessere Hälfte) disqualifiziert, dann aus meiner Sicht jeder Posten in der niedersächsischen CDU zehnmal eher, als Sex in unzähligen Positionen in einem Hannoveraner Puff."

Das ist die Wahrheit und nichts als die Wahrheit.

Und Pantelouris legt natürlich noch einen kleinen Rant gegen "konservative" Kleingeister oben drauf: "Noch einmal: Bettina Wulff hat keine Rotlichtvergangenheit. Sie ist nur sexier, als es in der niedersächsischen CDU ertragen wird. Wahrscheinlich ist da was dran, dass, wenn man geil aussieht oder keine Probleme damit hat, hübsche Frauen abzuschleppen, man gar nicht erst in die Gefahr gerät, in die Junge Union einzutreten. Aber Gerüchte über eine junge Frau verbreiten, um ihrem Mann zu schaden? Buäh, seid Ihr eklig!"

Verfickt noch mal, der Mann hat Recht!

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Endlich reden wir mal über Sex: fickt euch! — CARTA
Die Sache Bettina Wulff könnte eine Debatte in Gang setzen, die bisher vermieden wurde: Über sexuelle Selbstbestimmung und den merkwürdigen besonderen Schutz der heterosexuellen Ehe.

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