{"id":1224,"date":"2012-04-26T22:51:49","date_gmt":"2012-04-26T21:51:49","guid":{"rendered":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/?p=1224"},"modified":"2022-04-01T10:57:31","modified_gmt":"2022-04-01T08:57:31","slug":"jede-fuenfte-zeitung-druckt-luegen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/2012\/04\/26\/jede-fuenfte-zeitung-druckt-luegen\/","title":{"rendered":"Jede f\u00fcnfte Zeitung druckt L\u00fcgen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist mal wieder soweit. War noch das vergangene Jahr von einem m\u00e4\u00dfig begabten Standupcomedian<sup><a href=\"#footnote_1_1224\" id=\"identifier_1_1224\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Manche nannten ihn Bundesgesundheitsminister, andere Phillip R&ouml;sler.\">1<\/a><\/sup> zum <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20110914152702\/http:\/\/blog.zdf.de:80\/zdfdasblog\/2011\/07\/27\/pflegefall-pflegeversicherung\/\">&#8222;Jahr der Pflege&#8220;<\/a> ausgerufen worden, wurde schon in diesem Jahr beschlossen, <a href=\"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/aufreger\/politik-und-gesellschaft\/das-solidarsystem-soll-weiter-abgebaut-werden\/\">nichts Sinnvolles<\/a> an der Situation von Pflegenden und Pflegebed\u00fcrftigen zu \u00e4ndern. Stattdessen gibt es jetzt wieder etwas billige Unterhaltung.<\/p>\n<p>Der Spa\u00df geht damit los, dass der MDS die <a href=\"http:\/\/www.mds-ev.de\/3920.htm\">Pressemitteilung<\/a> f\u00fcr den <a href=\"http:\/\/www.mds-ev.de\/media\/pdf\/MDS_Dritter_Pflege_Qualitaetsbericht_Endfassung.pdf\">3. Bericht nach \u00a7 114a Abs. 6 SGB XI<\/a> schon mit dem sch\u00f6nen Titel &#8222;Qualit\u00e4tsfortschritte in der Pflege&#8220; versieht und im ersten Absatz lobende Worte \u00fcber die Pflege in Deutschland findet:<\/p>\n<blockquote><p>Vor allem bei der Ern\u00e4hrung und Fl\u00fcssigkeitsversorgung sowie im Umgang mit Menschen mit Demenz gab es Fortschritte im Vergleich zum Bericht aus dem Jahr 2007. [&#8230;] Ein weiteres wichtiges Ergebnis: Einrichtungen, die die Prozessstandards guter Pflege erf\u00fcllen, erreichen auch bessere Ergebnisse in der Versorgungsqualit\u00e4t. [&#8230;] Die gute Nachricht ist, dass sich die Qualit\u00e4t der Pflege positiv weiterentwickelt hat. Die Pflegebed\u00fcrftigen werden heute besser versorgt als noch vor einigen Jahren.<\/p><\/blockquote>\n<p>So weit, so langweilig. Dachten sich wohl jene &#8222;Qualit\u00e4tsmedien&#8220;, die schon vor drei Jahren beim letzten MDS-Bericht \u00fcber Qualit\u00e4tsm\u00e4ngel in der Pflege berichteten. Die damals festgestellten Defizite bei ca. 30% der Stichprobe bezogen sich vor allem auf das Feststellen des Risikos von Mangel- und Fehlern\u00e4hrung bzw. des Dehydratationsrisikos. Dies bedeutet, dass es f\u00fcr ein Defizit bereits ausreichte, seltener als einmal im Monat das K\u00f6rpergewicht zu messen oder mittels eines Fl\u00fcssigkeitsprotokoll die t\u00e4glich getrunkene Fl\u00fcssigkeitsmenge festzustellen. Die Bild-Zeitung machte daraus <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/2463\/verbesserungen-bei-der-pflege-bild-geschockt\/\">die viel eindrucksvollere Schlagzeile<\/a>, jeder dritte Altenheimbewohner w\u00fcrde &#8222;verhungern&#8220; oder &#8222;verdursten&#8220;. Die &#8222;Qualit\u00e4tsmedien&#8220;, die eigentlich wissen sollten, dass man in der Bild an manchen Tagen teilweise ein oder zwei brauchbare Fakten in all der Desinformation findet, nahmen dies f\u00fcr bare M\u00fcnze und <a href=\"http:\/\/www.coffeeandtv.de\/2007\/09\/01\/hilfe-ambulant-oder-stationar\/\">verbreiteten den Unfug weiter<\/a>. Dass der MDS in einer knappen Mitteilung darauf hinwies<sup><a href=\"#footnote_2_1224\" id=\"identifier_2_1224\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Zumindest gab es eine solche Mitteilung laut Nachfrage bei Dr. Peter Pick vom MDS auf dem letztj&auml;hrigen Altenpflegekongress in Dortmund. Bei meiner Recherche muss sie mir entgangen sein.\">2<\/a><\/sup>, dass diese Meldung ziemlicher Quatsch war, interessierte dann h\u00f6chstens noch ein paar Pflegekr\u00e4fte, die sich unversch\u00e4mterweise verleumdet f\u00fchlten.<\/p>\n<p>Dass der neue MDS-Bericht p\u00fcnktlich zur ersten Lesung von Schwarzgelbs <a href=\"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/aufreger\/die-pflegeluege-geht-weiter\/\">unausgegorener Pflegereform<\/a> ver\u00f6ffentlicht wird, ist sicherlich nur Zufall. Jetzt h\u00e4tte man erwartet, dass die Bild wieder losgeifert und der Rest dort abschreibt. <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/ratgeber\/2012\/altenheim\/neuer-pflege-bericht-jeder-5-heimbewohner-wird-eingesperrt-23827298.bild.html\">Gleich die erste Erwartung wird nat\u00fcrlich erf\u00fcllt<\/a>: <i>&#8222;Jeder 5. Heimbewohner wird eingesperrt&#8220;<\/i> kann man dort lesen. Und: <i>&#8222;Jeder f\u00fcnfte Heimbewohner wird in seiner Freiheit beschr\u00e4nkt, durch Anbinden, das Abschlie\u00dfen des Zimmers, Fixieren im Rollstuhl oder Gitter am Bett.&#8220;<\/i> Das klingt zun\u00e4chst einmal furchtbar. Und dieses Mal entdecken die Qualit\u00e4tsmedien diesen Missstand, ohne bei der Bild abschreiben zu m\u00fcssen. <a href=\"http:\/\/www.wz-newsline.de\/home\/politik\/missstaende-in-pflegeheimen-senioren-ans-bett-gefesselt-1.968838\">&#8222;Missst\u00e4nde in Pflegeheimen: Senioren ans Bett gefesselt&#8220;<\/a> titelt die Westdeutsche Zeitung noch relativ sachlich, im K\u00f6lner Stadtanzeiger steht dann gleich noch dramatischer: <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20120527180435\/http:\/\/www.ksta.de:80\/html\/artikel\/1335257930406.shtml\">&#8222;Jeder f\u00fcnfte wird gefesselt.&#8220;<\/a> Schlimm? Schlimm.<\/p>\n<p>Denn es ist gerade die Pflege, die sich dagegen wehrt, zur Sturzvermeidung fixierende Ma\u00dfnahmen treffen zu m\u00fcssen. Diese sind oft unsinnig und schaffen deutlich mehr pflegerischen Aufwand als sie reduzieren. Im Januar hatte ein Freiburger Gericht den <a href=\"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/aufreger\/pflege-und-gesundheit\/fesseln-fallen\/\">Kostentr\u00e4gern, die den Freiheitsentzug bei einer Bewohnerin forderten<\/a>, auferlegt, eine zus\u00e4tzliche Pflegekraft zu finanzieren, die durch engmaschigere Beaufsichtigung St\u00fcrze verhindern kann. Der Expertenstandard <a href=http:\/\/www.dnqp.de\/ExpertenstandardSturzprophylaxe.pdf\">Sturzprophylaxe<\/a> und Projekte wie <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20171003022955\/http:\/\/www.redufix.de:80\/cms\/website.php?id=\/de\/projekt.html\">Redufix<\/a> wenden sich gegen die fehlverstehende <a href=\"http:\/\/geb.uni-giessen.de\/geb\/volltexte\/2011\/8036\/pdf\/SchmidtChristian_2011_02_16.pdf\">&#8222;Freiheitsberaubung aus F\u00fcrsorge&#8220;<\/a>. Dies zeigt schon einmal, aus welchen Motiven in Pflegeheimen freiheitsentziehende Ma\u00dfnahmen angewandt werden. Bei zehn Prozent wurde nicht einmal die notwendige Genehmigung des Amtsgerichts eingeholt. Eine nicht vom Amtsgericht genehmigte Freiheitsentziehung stellt einen Straftatbestand nach \u00a7 239 I StGB dar, dies lernt jede Pflegekraft in der Ausbildung. Das die Zahlen immer noch so hoch sind, hat zun\u00e4chst auch mich entsetzt, weil ich es in den beiden Altenheimen, in denen sich arbeite, v\u00f6llig anders kenne.<\/p>\n<p>Das Fixieren mit Bett- oder Rollstuhlgurten ist viel zu gef\u00e4hrlich, weil jedes Jahr Menschen bei Versuchen, sich aus der Fixierung zu befreien, sterben. Wir wollen fixierende Ma\u00dfnahmen reduzieren. Wir haben zwar noch solche Gurte im Haus, aber sie werden nach einer umfassenden Schulungsreihe im vergangenen Jahr nicht mehr verwendet, weil uns die Risiken bewusst geworden sind. Bei Bewohnern, bei denen die Gefahr des unbeabsichtigten Herausrollens aus dem Bett besteht, setzten wir schon vorher Niedrigbetten ein, bei denen die Matratzenoberfl\u00e4che nur ca. vierzig Centimeter \u00fcber dem Boden ist, und legten noch eine Schutzmatte davor. Bei Bewohnern, die wegen der Demenz nicht erkennen, dass sie beim alleinigen Aufstehen sturzgef\u00e4hrdet sind, setzten wir zudem Kontaktmatten vor dem Bett ein, die einen Notrufausl\u00f6sen, wenn jemand auf sie tritt. So kann die Pflegekraft schnell die notwendige Hilfe beim Aufstehen leisten.<\/p>\n<p>Bei uns wird noch jedes hochgestellte Bettgitter und jeder Therapietisch beim Amtsgericht genehmigt, obwohl diese gar nicht zur Freiheitsentziehung dienen. Ein Therapietisch wird zum Beispiel nicht zwangsl\u00e4ufig festgeschraubt und wird bei uns z.B. auf ausdr\u00fccklichen Wunsch der Pflegebed\u00fcrftigen angesteckt, um die Sitzposition zu stabilisieren oder um beim Essen den Teller darauf abstellen zu k\u00f6nnen, um sich nicht zu weit nach vorne beugen zu m\u00fcssen. Ein Gurt oder eine Fesselung ist das ganz sicher nicht.  Es gibt nur noch eine Handvoll Bettgitter, die aber nur bei den Bewohnern hochgestellt werden, die aufgrund k\u00f6rperlicher Schw\u00e4che gar nicht mehr aufstehen k\u00f6nnten und bei denen ein zuf\u00e4lliges Herausrollen vermieden werden soll. Dieser Schutz ist dann auch gar keine Freiheitsentziehung im Sinne des Gesetztes mehr, weil der Wille, das Bett zu verlassen, nicht erkennbar ist. Und dennoch werden solche Ma\u00dfnahmen aus Unsicherheit noch oft beim Amtsgericht beantragt und genehmigt.<\/p>\n<p>Mittlerweile haben die Pflegekr\u00e4fte auch begriffen, dass eine amtsgerichtliche Genehmigung zum Freiheitsentzug keine Verpflichtung darstellt, den Bewohner zu fixieren. Fr\u00fcher glaubten das viele Pflegekr\u00e4fte f\u00e4lschlich und f\u00fcrchteten Regressanspr\u00fcche von Krankenkassen und Bewohnern oder deren Angeh\u00f6rigen. Doch das ist eine falsche Bef\u00fcrchtung. Im Gegenteil: Zum einen besteht trotz eines Versorgungsvertrags keineswegs eine 24-st\u00fcndige Beaufsichtigungspflicht, zum anderen sind die Pflegekr\u00e4fte beim Anbringen von freiheitsentziehenden Ma\u00dfnahmen verpflichtet, zu pr\u00fcfen, ob auf die Fixierung verzichtet werden kann. Ein genehmigtes Bettgitter wird also oft gar nicht mehr hochgestellt, denn wir haben sinnvollere und weniger gef\u00e4hrliche, weniger freiheitsraubende Alternativen.<\/p>\n<p>Dr. Pick empfiehlt \u00fcbrigens, dass man &#8222;die Betten auch niedriger&#8220; machen k\u00f6nne. Das ist richtig. Aber es setzt voraus, dass es sich um ein Pflegebett handelt, das diese M\u00f6glichkeit bietet. L\u00e4ngst nicht jedes Pflegebett kann niedriger gestellt werden, und wegen der bekannten Unterfinanzierung der Pflege l\u00e4sst sich die Investition in solche Betten f\u00fcr alle Bewohner von einer Pflegeeinrichtung kaum stemmen. Das ist ein wichtiger Hinweis, weil Picks Aussage so klingt, als sei dies mit jedem Pflegebett problemlos m\u00f6glich. Dem ist nicht so. Und v\u00f6lliger Quatsch ist, wie oben beschrieben, dass jeder der 20% der gepr\u00fcften Bewohner, mit Gurten fixiert und gefesselt w\u00fcrde. Dass diese Zahl immer noch viel zu hoch ist, steht jedoch au\u00dfer Frage.<\/p>\n<p>Doch, wie schon vor drei Jahren sollte man genau schauen, was der MDS in diesem <a href=\"http:\/\/www.mds-ev.de\/media\/pdf\/MDS_Dritter_Pflege_Qualitaetsbericht_Endfassung.pdf\">Bericht<\/a> tats\u00e4chlich geschrieben hat. Netterweise hat der MDS sogar ein <a href=\"http:\/\/www.mds-ev.de\/media\/pdf\/Faktenblatt_Pflegequalitaetsbericht_final.pdf\">Faktenblatt<\/a> ver\u00f6ffentlicht, in dem die Zahlen \u00fcbersichtlich zusammengefasst werden. Dies h\u00e4tte auch dem vorgestern ausf\u00fchrlich zitierten <s>Dummschw\u00e4tzer<\/s>Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, geholfen, der u.a. vom K\u00f6lner Stadtanzeiger zitiert wird und dabei auf <i>&#8222;42 Prozent der Menschen in Pflegeheimen<\/i> kommt, die &#8222;unter freiheitsentziehenden Ma\u00dfnahmen&#8220; leben w\u00fcrden. <i>\u201eDas sind mehr Menschen als es H\u00e4ftlinge in deutschen Gef\u00e4ngnissen gibt.\u201c<\/i> Die angegebenen 42 Prozent findet man jedoch nicht im MDS-Bericht, sondern nur in der <a href=\"http:\/\/www.hospize.de\/index.php?go=081&#038;druck=true&#038;pmno=468\">Stellungnahme der DHS<\/a>, die bez\u00fcglich korrekter Zahlen schon fast Bild-Qualit\u00e4t erreicht. Kommen wir also direkt wieder zum Original aus dem Springer-Verlag und seiner gro\u00dfen Kompetenz: Rechnen.<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Demenz: Die Altenheime versuchen nur bei 58 Prozent ihrer demenzkranken Bewohner, deren Wohlbefinden zu ermitteln. Daf\u00fcr gibt es Methoden mit dem Ziel, die verwirrten Alten besser verstehen zu k\u00f6nnen und ihre Lebensqualit\u00e4t zu erhalten. Aber sie werden bei jedem Zweiten nicht angewendet.&#8220;<\/p><\/blockquote>\n<p>Die 58% sind die gleichen acht Prozent von zwei Dritteln (66%) wie von der H\u00e4lfte (50%) entfernt. Aber Runden ist okay, das lasse ich durchgehen. Hier ist das Problem eher, dass es kaum geeignete Instrumente gibt, die Pflegekr\u00e4fte helfen, das Wohlbefinden eines Menschen zu ermitteln, der nicht mehr ad\u00e4quat dar\u00fcber Auskunft geben kann. Die vom MDS in der Grundsatzstellungnahme <a href=\"http:\/\/www.mds-ev.de\/media\/pdf\/Demenz-Broschuere_4MB.pdf\">&#8222;Pflege und Betreuung von Menschen<br \/>\nmit Demenz in station\u00e4ren Einrichtungen&#8220;<\/a> genannten Instrumente <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Dementia_Care_Mapping\">Dementia Care Mapping<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.gero.uni-heidelberg.de\/forschung\/hilde.html\">H.I.L.DE.<\/a> sind viel zu aufw\u00e4ndig und w\u00fcrden zu einem nicht wirtschaftlich vertretbaren Ma\u00df pflegerische Ressourcen binden, die viel besser direkt beim dementen Bewohner eingesetzt w\u00e4ren. Das in unseren Einrichtungen eingesetzte Instrument Qualidem, das nicht stundenlange Erhebungen erfordert, wird als nicht in deutscher Version vorliegend bezeichnet, was falsch ist, weil Qualidem schon vor Jahren an der Berline Charit\u00e9 ins Deutsche \u00fcbertragen wurde. Das Instrument ist in circa einer Viertelstunde anwendbar und ist so handlungsleitend, dass die MDK-Pr\u00fcfer in unseren Einrichtungen regelm\u00e4\u00dfig von dem Instrument begeistert waren. Der MDK pr\u00fcft also einen Punkt, der wichtig ist, bietet jedoch nur unzureichende Informationen dar\u00fcber, welches Instrument geeignet sein k\u00f6nnte. Es kommt bei diesem Punkt dazu, dass der MDK den Block &#8222;Umgang mit Demenz&#8220; nicht nur bei Dementen pr\u00fcft, sondern auch bei Bewohnern, die aufgrund anderer Gr\u00fcnde eine erheblich eingeschr\u00e4nkte Alltagskompetenz besitzen und deswegen Leistungen nach <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20180702103707\/http:\/\/www.sozialgesetzbuch-sgb.de:80\/sgbxi\/87b.html\">\u00a787b SGB XI<\/a> erhalten. Das ist eine Ungenauigkeit, die die Vertragspartner, die sich auf die Transparenzkriterien geeinigt haben, noch ausmerzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zum Problem des Wundliegens kann dann \u00fcbrigens die Bild wieder mit Hilfe von gewohnt pr\u00e4zisen Zahlen dramatisch losschreiben:<\/p>\n<blockquote><p>&#8222;Immer noch werden ein Viertel der Druckgeschw\u00fcre nicht so behandelt, wie der Arzt es angeordnet hat. Die Vorbeugung wird nur zu 60 Prozent geleistet. Wo es keine Vorbeugung gibt, haben 7,4 Prozent der bettl\u00e4gerigen alten Menschen ein Druckgeschw\u00fcr; in Heimen, die die Prophylaxe ernst nehmen, sind es nur 4,4 Prozent.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist erneut aus mehreren Gr\u00fcnden der erwartungsgem\u00e4\u00df verzerrende Bl\u00f6dsinn:<\/p>\n<ul>\n<li>Das Viertel, bei dem Prophylaxen nicht durchgef\u00fchrt werden, bezieht sich auf zwanzig Prozent der Bewohner, bei denen a) ein Risiko erkannt, aber b) keine Propyhlaxe durchgef\u00fchrt wurde. Es ist also nicht ein <b>Viertel<\/b> aller Bewohner mit vorliegenden Druckgeschw\u00fcren, sondern ein <b>F\u00fcnftel<\/b> aller Bewohner mit festgestelltem Dekubitusrisiko.<\/li>\n<li>Tats\u00e4chliche Druckgeschw\u00fcre lagen bei 7,4% der Bewohner vor, bei denen trotz erkanntem Risiko keine Prophylaxen durchgef\u00fchrt wurden, und bei 4,4% der Bewohner trotz der wegen des erkannten Risikos durchgef\u00fchrten Prophylaxen. Die Gesamtmenge der gepr\u00fcften Bewohner mit Dekubitusrisiko war 46,9%, somit hatten knapp \u00fcber zwei Prozent der gepr\u00fcften Bewohner einen Dekubitus. Das entzieht der Unterstellung,  ein Viertel aller Druckgeschw\u00fcre w\u00e4re nicht angemessen behandelt worden, jede Grundlage.<\/li>\n<li>Die Durchf\u00fchrung einer Dekubitusprophylaxe ist <u>ausschlie\u00dflich<\/u> pflegerische Kompetenz. Kein Arzt ordnet diese an. \u00c4rzte verordnen bei einem bereits vorliegenden Dekubitus  Hilfsmittel wie Wechseldruck- oder Weichlagerungsmatratzen, d\u00fcrfen dies aber nicht, wenn nur ein Risiko erkannt ist. In diesem Fall ist es Aufgabe der Pflegeeinrichtung, eine solche Matratze zu stellen. Daher ist eine nicht durchgef\u00fchrte Prophylaxe kein Zuwiderhandeln einer \u00e4rztlichen Anordnung, sondern eine pflegerische Schlampigkeit.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nat\u00fcrlich kann es sich die Bild nicht verkneifen, eine paar dreiste Fehlberechnungen einzubauen:<\/p>\n<blockquote><p>In einem schlechten Ern\u00e4hrungszustand waren 7,4 Prozent der Heimbewohner, die auf Hilfe bei Essen und Trinken angewiesen sind. 2007 waren noch 34 Prozent unterversorgt.<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass sie sich <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/2463\/verbesserungen-bei-der-pflege-bild-geschockt\/\">2009<\/a> \u00fcbel vertan haben, werden sie kaum eingesehen haben, aber auch f\u00fcr die im <a href=\"http:\/\/www.mds-ev.de\/media\/pdf\/Erster_Bericht-118-XI_QS-Pflege.pdf\">MDS-Bericht von 2007<\/a> festgestellten M\u00e4ngel in der Ern\u00e4hrungs- und Fl\u00fcssigkeitsversorgung gilt: <i>&#8222;Auch hier sind diese M\u00e4ngel nicht unbedingt gleichbedeutend mit einer bereits eingetretenen Unterern\u00e4hrung oder einer Dehydratation. Vielmehr ist auch hier davon auszugehen, dass wichtige Probleme nicht erkannt, dass erforderliche Ma\u00dfnahmen nicht ergriffen oder die Angeh\u00f6rigen nicht \u00fcber bestehende Probleme informiert worden sind.&#8220;<\/i><sup><a href=\"#footnote_3_1224\" id=\"identifier_3_1224\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"siehe Seite 39\">3<\/a><\/sup> Das bedeutet nicht, dass alles unbedenklich war. Aber zu n\u00fctzlichen <a href=\"http:\/\/www.bildblog.de\/2463\/verbesserungen-bei-der-pflege-bild-geschockt\/\">Schlagzeilen<\/a> wie &#8222;Jeder 3. bekommt nicht genug zu essen&#8220; passt das nicht. Den von der Bild vermiedenen Fehler macht \u00fcbrigens jetzt die <a href=\"http:\/\/www.taz.de\/Alte-Menschen-in-Pflegeeinrichtungen\/!92132\/\">taz<\/a>, die schreibt: <i>&#8222;Laut Vorg\u00e4ngerbericht wurde 36 Prozent der Bed\u00fcrftigen nicht beim Essen oder Trinken geholfen.&#8220;<\/i> Man denke sich hier ein &#8222;ausreichend&#8220; dabei, und man w\u00e4re n\u00e4her bei so etwas Verzichtbarem wie Fakten. Zu den Fakten geh\u00f6rt aber auch, dass bei 95% der gepr\u00fcften Bewohnerinnen der Ern\u00e4hrungszustand den Einwirkungsm\u00f6glichkeiten der Einrichtung entsprach. Das ist aufopferungsvoller Arbeit von Pflegekr\u00e4ften und nicht zuletzt auch den pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen, die im <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20111216085359\/http:\/\/www.dnqp.de:80\/ExpertenstandardErnaehrungsmanagement.pdf\">Expertenstandard Ern\u00e4hungsmanagement<\/a> zusammengefasst wurden, geschuldet.<\/p>\n<p>Interessanter liest sich die <a href=\"http:\/\/www.tz-online.de\/magazin\/gesundheit\/leiden-pflegebeduerftigen-2291054.html\">TZ aus M\u00fcnchen<\/a>: <i>&#8222;Laut MDS-Report w\u00e4re bei etwa der H\u00e4lfte der Pflegebed\u00fcrftigen eine Schmerzeinsch\u00e4tzung erforderlich, nur jeder Zweite bekam sie.&#8220;<\/i> Was nach einem klassischem Patt aussieht, w\u00e4re erg\u00e4nzt um ein &#8222;davon&#8220; korrekt, weil nur bei der H\u00e4lfte der Betroffenen dokumentiert worden war, dass tats\u00e4chlich auch systematisch nach Schmerzen befragt wurde. Die taz <s>macht <\/s>liegt wieder daneben: &#8222;Ohnehin wurde laut Bericht nur bei etwa der H\u00e4lfte der Heiminsassen gepr\u00fcft, ob ihnen etwas wehtut.&#8220; N\u00f6. Bei der H\u00e4lfte derer, bei denen der MDK bei den Pr\u00fcfungen chronische Schmerzen feststellte, wurde nicht danach gefragt. Das waren 31,1%. Die H\u00e4lfte davon w\u00e4ren jene 15,6%, die nicht oder nicht systematisch nach Schmerzen befragt wurden. Aber warum sollten deutsche Qualit\u00e4tsjournalisten, die schon nicht mit dem Verst\u00e4ndnis der Bev\u00f6lkerung rechnen k\u00f6nnen, weil sie ein Leistungschutzrecht einfordern, \u00fcberhaupt lernen, korrekt zu rechnen?<\/p>\n<p>Aber Scherz beiseite: Viel wichtiger als die wiederholte Skandalisierung w\u00e4re eine andere Sache gewesen, die man mit weniger Voreingenommenheit dem Bericht h\u00e4tte entnehmen k\u00f6nnen. <b>Die Pflegequalit\u00e4t ist nachweislich besser geworden.<\/b> Stand so \u00fcbrigens in der \u00dcberschrift der Mitteilung. L\u00e4sst sich so auch ansatzweise von den Ergebnissen der Pr\u00fcfungen des so genannten Pflege-T\u00dcV ablesen, bei denen der Landesschnitt in NRW derzeit bei 1,3 liegt, in Rheinland-Pfalz sogar bei 1,2.<sup><a href=\"#footnote_4_1224\" id=\"identifier_4_1224\" class=\"footnote-link footnote-identifier-link\" title=\"Laut der Pr&auml;sentation von Dr. Pick zur aktuellen Entwicklung der Pflegenoten vom Februar 2011 lag &uuml;brigens nach bemerkenswerten Verbesserungen in den Monaten zuvor die schlechteste Durchschnittsnote am Jahresanfang bei 2,0.\">4<\/a><\/sup>  Und dies stand auch dick und fett im letzten MDS-Bericht. Aber das alles passt ja weder ins Bild der zu skandalisierenden Pflege noch zu der anscheinend immer noch nicht \u00f6ffentlichkeitsf\u00e4higen Einsicht, dass gute Pflege deutlich teurer ist als das Zubrot, dass die unterfinanzierte Pflegeversicherung darstellt. Wenn ich jetzt nur das bl\u00f6de Gef\u00fchl endlich losw\u00fcrde, das Medienecho w\u00fcrde gezielt gesteuert, um bei der Bev\u00f6lkerung gar nicht erst Gedanken danach aufkommen zu lassen, dass Pflege besser bezahlt werden muss &#8230;<\/p>\n<ol class=\"footnotes\"><li id=\"footnote_1_1224\" class=\"footnote\">Manche nannten ihn Bundesgesundheitsminister, andere Phillip R\u00f6sler.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\">[<a href=\"#identifier_1_1224\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_2_1224\" class=\"footnote\">Zumindest gab es eine solche Mitteilung laut Nachfrage bei Dr. Peter Pick vom MDS auf dem letztj\u00e4hrigen Altenpflegekongress in Dortmund. Bei meiner Recherche muss sie mir entgangen sein.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\">[<a href=\"#identifier_2_1224\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_3_1224\" class=\"footnote\">siehe Seite 39<span class=\"footnote-back-link-wrapper\">[<a href=\"#identifier_3_1224\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><li id=\"footnote_4_1224\" class=\"footnote\">Laut der <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20160718104609\/http:\/\/bundeskonferenz-pflegemarkt.de\/download\/2011_drpick.pdf\">Pr\u00e4sentation von Dr. Pick zur aktuellen Entwicklung der Pflegenoten<\/a> vom Februar 2011 lag \u00fcbrigens nach bemerkenswerten Verbesserungen in den Monaten zuvor die schlechteste Durchschnittsnote am Jahresanfang bei 2,0.<span class=\"footnote-back-link-wrapper\">[<a href=\"#identifier_4_1224\" class=\"footnote-link footnote-back-link\">&#8617;<\/a>]<\/span><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die deutsche Presse bekleckert sich bei der Interpretation des MDS-Berichts zur Qualit\u00e4t in deutschen Pflegeeinrichtungen nicht mit Ruhm.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":4897,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bluesky_dont_syndicate":"","_bluesky_syndication_accounts":"","_bluesky_syndication_text":"","footnotes":""},"categories":[13,21],"tags":[96,148,151,287,317],"class_list":["post-1224","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-aufreger","category-pflege-und-gesundheit","tag-demenz","tag-freiheit","tag-freiheitsentziehende-massnahmen","tag-pflege","tag-qualitaetsjournalismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1224","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1224"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1224\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media\/4897"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1224"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1224"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sockenseite.de\/wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1224"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}